· 

Warum "lettern"?

Vielleicht hast du dich schon mal gefragt, warum Handlettering derzeit so angesagt ist und ob es nicht eventuell auch etwas für dich wäre?

Das kann ich natürlich nicht für dich entscheiden, aber vielleicht hilft dir mein kleiner Erfahrungsbericht.

 

Rein theoretisch ist Handlettering eines der günstigsten, zeitunaufwändigsten Hobbies, die man haben kann.

Theoretisch. Denn einen Stift, egal ob Bleistift oder Kugelschreiber, Fineliner oder andere Marker und ein Blatt Papier liegen doch bei jedem irgendwo rum. Schon kann´s los gehen!

Wären da nicht all die Social-Media-Plattformen mit den schönen Letteringfotos... und Materialien! Offensichtlich braucht man zum Brushlettern unbedingt diese Tombow-Stifte... Sieht man schließlich auf nahezu jedem Bild! Ohne die scheint es nicht zu gehen. Ok, erstmal 24er Set gekauft. Will man in einem neuen Hobby richtig gut werden, muss ja schließlich die Ausstattung stimmen! (Hand auf´s Herz - ging es noch jemaden so?)

 

Kurz darauf darf man die heiligen Krale des Handletterns in der Hand halten. Ein wahres Hochgefühl! Diese Farben! Man fühlt schon direkt, wie die Fähigkeit des Brushletterns förmlich aus den Stiften in die eigene Hand fließt. Osmose quasi! Motivationshoch! Los, Papier her! "Das tut es für den Anfang schon..." denkt man noch und entreißt dem Drucker die letzten 3 Blätter Discounter-Druckerpapier in 80 g extra rauh. Jetzt geht´s los!

    September 2016


Und schon werden die armen Brushpens mit viel Druck über´s Papier gezogen. Gedanken wie "Hm.... quietscht bei mir ja gar nicht.." (wie so oft in den tollen Videos auf Instagram gehört...) oder "Gehört das wirklich so?" fliegen während der ersten Buchstaben durch den Kopf. Skepsis gegen Motivation: "Da muss es einen Trick geben. Das sah doch irgendwie einfacher aus. Wo war nur dieses Video, das mir doch eindeutig bewiesen hatte, dass Brushlettern so einfach ist?!" Vielleicht weiß der ein oder andere ja, wovon ich rede ;-) Zwei Stunden später fällt mir auf, dass meine Upstrokes immer dicker werden. Und diese kleinen, zarten, kaum sichtbaren aber irgendwie nervtötenden fiesen parallelen Linien..... wo kommen die denn eigentlich her? "Ist das bei jedem Stift?" Schnell nochmal jeden Einzelnen energisch über´s Papier ziehen... Jap, bei allen. Dann gehört das wohl so... Aber die Spitze sieht auch irgendwie "flauschiger" aus als vorher (das Pink war übrigens schon eher vom Typ "Besen") ... Komisch. Gefällt mir nicht. Erstmal Pause machen.

Resumeé nach diesen ersten Stunden: 24er Set Brushpens zerstört, ebenso die Motivation. Meeehhh...

 

Wem es beim ersten Mal also ähnlich erging wie mir, weiß wovon ich spreche. Aber werft die Stifte noch nicht endgültig weg! Zum Aufgeben ist es definitiv noch zu früh!

 

Eins steht leider fest: Die osmotische Fähigkeitenweitergabe existiert nur im anfänglichen Motivationsüberschwang und hält meist grad so bis zum ersten Upstroke. ;-) Trotzdem ist Lettern kein Hexenwerk. Zugegeben, der Brushpen bedarf ein wenig Übung. Aber wer sich die Enttäuschung nach dem ersten Versuch ersparen möchte, beginnt mit Brushpens mit kleinerer Spitze. Insbesondere kann ich euch hier den Tombow Fudenosuke mit der harten Spitze empfehlen. Anfangs neigt man dazu, eher zu klein als zu gross zu schreiben; da ist dann auch eine kleine Spitze von Vorteil. Ausserdem ist die Brushspitze quasi nicht unterzukriegen. Damit kann man wunderbar die leichten Auf- sowie die dicken Abstriche üben. Auch wenn dieser Brushpen extrem widerstandsfähig ist (er muss bei mir wirklich zum Belettern aller erdenklichen rauhen Oberflächen herhalten), empfehle ich euch, nicht das Druckerpapier zu benutzen, auf dem ihr daheim eure ungeliebten Rechnungen ausdruckt, sondern auf eine besonders glatte Oberfläche des Papiers zu achten. Ich persönlich liebe das "Rhodia Pad". Ob mit Dots, liniert oder kariert, Din A4 oder A5, geleimt oder mit Spiralbindung ist reine Geschmackssache. Damit liegt ihr immer richtig, auch wenn ihr später auf Brushpens mit weicherer/grösserer Spitze umsteigt.

 

 

Aber lasst euch von meiner Erfahrung nicht entmutigen! Lettern ist ein wirklich tolles Hobby!

 

1. Wie bereits erwähnt: Wieviel Geld du ausgibst, liegt absolut in deiner Hand! Keine Sorge, es ist ganz einfach im Künstlerbedarfshandel deines Vertrauens ein kleines Vermögen zu lassen ;-) Aber du musst nicht! Schnapp dir einen Bleistift und Papier und lege los! (Wie du mit Bleistift, Kulli, Fineliner & Co. den original Brushletteringstil nachahmen kannst, verrate ich dir übrigens im nächsten Blogpost!)

 

2. Diese Zeitersparnis! Denk nur mal an deinen letzten Skiurlaub! Stau, Warteschlangen und Vorbereitungen waren doch recht zeitraubend, oder? (Okeeeee, ich hör euch schon "Aber die Aprés-Skiparty....!" Keiner verbietet euch während des Letterns "Best of Hüttengaudi 2018" aufzulegen und dabei an einem Glühwein zu nippen) :-) Hier heißt es nur "Block raus, Stift auf!"

 

3. Lettern ist so entspannend! Wirklich! Sobald die Handmuskulatur einmal weiß, was sie zu tun hat, entfaltet Lettern eine geradezu meditative Wirkung. Auf mich jedenfalls. Und Rechtschreibfehler gehören dazu. Passieren sie am Ende eines (langen) Spruchs ist es zwar gleich aus mit meditativ und entspannt, aber was solls?! ;-) es macht ja schließlich auch Spass.

 

4. Deutliche "Verbesserungen" sind schon nach kurzer Zeit zu erkennen. Das motiviert und hilft auch ungeduldigen Menschen wie mir "am Stift" zu bleiben! Und das führt mich zu  "last but not least".....

 

5. Es ist (meistens) einfach wunderschön anzusehen.

 

Ich finde, dass etwas Handgelettertes in unserer hochtechnisierten und -standardisierten Zeit immer etwas Besonderes ist. In jedem Geletterten steckt Zeit und Mühe. Aber es lohnt sich immer!

 

Kurzum: Lettern lernen kann jeder. Dazu ist kein besonderes Talent nötig (Rechtschreibkenntnisse sind allerdings von Vorteil - auch wenn es ab und an zu vorübergehender Rechtschreibamnesie kommen kann/wird!). Du musst auch nicht zeichnen oder malen können. Selbst Linkshänder können mit Brushpens problemlos draufloslettern.

 

Und wenn du dir den Einstieg erleichtern möchtest und von Anfang an von allen möglichen Tipps und Tricks profitieren möchtest, schau doch mal bei einem Letteringworkshop vorbei. Diese werden inzwischen in fast jeder Stadt angeboten. Zb hier: https://www.blushpink.de/workshops-1/   :-)

 

Für alle Interessierten und zur Motivation habe ich euch unten noch eine kleine Auswahl meiner ersten "Werke" (August / September 2016) angehängt ;-)

 

Greif zum Stift und probier es aus!



Kommentar schreiben

Kommentare: 0